Lob und Tadel für den neuen Nahverkehrsplan

Langen und Egelsbach fordern abgestimmtes Finanzierungskonzept

Mit dem Nahverkehrsplan 2016 (NVP) legt die Kreisverkehrsgesellschaft mbH Offenbach (kvgOF) in diesen Tagen den Kommunalparlamenten von Langen und Egelsbach ein Konzept für das künftige Buslinienangebot vor. Ziel ist ein attraktiver ÖPNV für das Kreisgebiet, der jedoch in Zeiten knapper Kassen für die Kommunen bezahlbar bleibt. Langen, Egelsbach und die Stadtwerke loben die Grundlagenarbeit, die im Entwurf für den neuen Nahverkehrsplan steckt, weisen aber auch auf gravierende Schwachpunkte und Lücken hin.

Eine eigens für die Prüfung des NVP-Entwurfs gebildete Arbeitsgruppe bemängelt vor allem, dass ein mit allen Kommunen abgestimmtes Finanzierungskonzept fehlt. Niemand wisse, wie die Kosten für den ÖPNV in Zukunft verteilt werden sollen. Das Angebotsniveau beim Schülerverkehr etwa und wer ihn bezahlt, bleibe mehr oder weniger offen. Der Plan für den Kreis Offenbach wird von der kvgOF aufgestellt. Das immerhin 300 Seiten dicke Papier ist gewissermaßen die Bibel für den Busverkehr. Das neue Regelwerk soll 2016 in Kraft treten und fünf Jahre gelten. Aber so, wie es jetzt gestaltet ist, kann es nach einer Stellungnahme der beiden Kommunen und ihrer Stadtwerke nicht vom Kreistag verabschiedet werden.

Beteiligte am öffentlichen Personennahverkehr im Kreis sind neben der kvgOF die Stadtwerke, die eigene Linien betreiben. Im Westkreis sind das Neu-Isenburg, Dreieich und Langen. Die Inhalte des NVP sind in der Vergangenheit meistens nahezu unverändert fortgeschrieben worden und allein deswegen dringend reformbedürftig. Der Langener Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski spricht sogar von einem gewissen Wildwuchs, der sich eingestellt habe. Anlass zum Handeln seien aber auch die knappen Kassen beim Kreis und in den Kommunen sowie steigende ÖPNV-Defizite und zurückgehende Gewinne aus dem Energiegeschäft bei den Stadtwerken. Deshalb sei vor zwei Jahren die Entscheidung gefallen, diesmal eine grundlegende Neuplanung des ÖPNV im Kreis Offenbach in Angriff zu nehmen.

Wie sich jetzt zeigt, ist das kein leichtes Unterfangen, obwohl sich die kvgOF externe Gut-achter und Planer ins Boot geholt hat. „Ziel war es, dass der NVP nicht nur optimierte Linienführungen enthält, sondern ganz ausdrücklich auch ein neues Finanzierungskonzept“, sagt Pusdrowski. Letzteres sei dringend nötig, weil es eine „historische Finanzierungs-Schieflage“ zwischen den Kommunen im Osten, die keine Stadtwerke und eigene Stadtbuslinien haben, und den Westkommunen gebe. Fakt ist nach den Worten der Bürgermeister Frieder Gebhardt (Langen) und Jürgen Sieling (Egelsbach), dass Kommunen mit eigenen Stadtbuslinien unterm Strich deutlich mehr für den ÖPNV zahlen als die anderen, die lediglich eine Umlage an die Kreisverkehrsgesellschaft entrichten.

Umso weniger verstehen es die beiden Verwaltungschefs, dass der neue Nahverkehrsplan auf der Grundlage der bisherigen Finanzierung aufgestellt wurde. Angesichts der knappen Kassen könne es so aber nicht weitergehen. Es sei nur in Umrissen erkennbar, welchen Umfang und welches Qualitätsniveau der Busbetrieb in Zukunft haben werde und ob ein wichtiger Akteur – der Rhein-Main-Verkehrsverbund - mit seinen Konzepten da überhaupt mitspiele. Ungeklärt ist auch, welche Aufgaben die kvgOF und die Stadtwerke beim Schülerverkehr künftig wahrnehmen werden. Eigentlich ist der Schülerverkehr Sache des Kreises, er wird aber in einigen Kommunen – so auch in Langen und Egelsbach - hauptsächlich von den Stadtwerken übernommen. Außerdem muss aus Sicht von Langen und Egelsbach endlich einmal geklärt werden, wie die Arbeitsteilung zwischen kvgOF und den Stadtwerken generell aussehen sollte.

Pusdrowski berichtet, dass der NVP die heutigen Linien der Stadtwerke nach wie vor als sinnvoll erachtet und sie beibehalten werden sollen. Lediglich bei der Verbindung zwischen Langen und Egelsbach ist an eine geringfügige Änderung bei der Streckenführung gedacht. Größeres Gewicht hätten die Vorschläge zu den sogenannten Hauptlinien. So solle die Linie 661 nicht mehr von Langen nach Neu-Isenburg fahren. Gleiches gelte für die Verbindung zwischen Darmstadt-Arheilgen und Egelsbach. Positiv sei hingegen, dass es eine neue Linie zwischen Langen-Bahnhof und der Kreisstadt Dietzenbach geben solle, ebenso eine direkte Busverbindung von Langen zum Frankfurter Südbahnhof.

Laut Gebhardt und Sieling steckt in dem NVP-Entwurf zwar eine Menge Arbeit, einige zentrale Punkte für einen künftigen ÖPNV blieben aber vage. Leider sei das ambitionierte Projekt nicht vollständig zu Ende geführt und somit vorzeitig zur Abstimmung vorgelegt worden. Eine Finanzierungsrechnung lasse sich darauf in keiner Weise aufbauen. Die beiden Bürgermeister appellieren deshalb gemeinsam mit den Langener Stadtwerken an den Kreistag, den Entwurf in dieser Form nicht zu beschließen. Er sei einfach noch nicht reif dafür und müsse schnellstens überarbeitet und ergänzt werden. Langen, Egelsbach und die Stadtwerke seien gerne bereit, daran konstruktiv mitzuwirken.

Aber die Zeit drängt. Die Stadtwerke haben zwar jetzt den Stadtbusbetrieb für die Jahre 2016 und 2017 ausgeschrieben, aufgrund rechtlicher Bestimmungen müssen aber schon jetzt die Weichen für die Zeit ab 2018 gestellt werden. Wie Pusdrowski betont, muss spätestens Anfang kommenden Jahres Klarheit für die nächste Ausschreibung des Stadtbus-konzeptes ab 2018 herrschen. Eine Grundlage dafür seien der Nahverkehrsplan und eine seriöse Darstellung, wer wieviel bezahlt. Daran müsse jetzt mit Hochdruck gearbeitet werden.

„Wir wollen alle ein modernes und kostengünstiges Busangebot für die Bürger, da sind wir uns mit dem Kreis auch einig. Der vorliegende Entwurf des Nahverkehrsplans ist zu 80 Prozent eine Spitzenleistung der kvgOF. Wenn es jetzt noch gelingt, die Lücken rasch zu schließen, haben wir eine sehr gute Grundlage für die Zukunft, in der der ÖPNV ganz sicher noch an Bedeutung gewinnen wird“, gab sich Pusdrowski optimistisch.

Mit der Thematik befassen sich in Langen der Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr am Mittwoch, 24. Juni, und die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 9. Juli, jeweils um 20 Uhr im Rathaus in Egelsbach.

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