Neues Zentrum am Langener Bahnhof

Einzelhandel, Hotel und Wohnen auf altem Stadtwerke-Gelände

Es ist ein Riesenprojekt für Langen: Am Donnerstag (20. August) haben die Stadtwerke den Verkauf ihres früheren Betriebsgeländes an der Liebigstraße bekanntgegeben. Die Hanseatische Betreuung- und Beteiligungsgesellschaft mbH (HBB) wird darauf ein Einzelhandels-, Wohn- und Dienstleistungszentrum bauen. Bei der Vertragsunterzeichnung sprachen Bürgermeister Frieder Gebhardt und Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski von einem wichtigen Tag in der Geschichte der Stadt. Das Bild am Bahnhof werde sich radikal verändern – und zwar zum Besseren. Zwischen Bahnhof und Stadtwerke-Turm werde künftig auf der heutigen Brachfläche städtisches Leben pulsieren. Der Vertragsunterzeichnung vorausgegangen waren viele gemeinsame Gespräche, in denen die Stadt und HBB gemeinsam den Standort entwickelt haben.

Der Investor will auf der dreieckigen, rund 18.000 Quadratmeter großen Fläche Läden für den Einzelhandel und ein Hotel errichten. Außerdem werden an der Weserstraße drei große Wohngebäude entstehen. Das ist nach Gebhardts Worten der endgültige Startschuss für das neue Wohngebiet Liebigstraße, das sich vom Bahnhof bis zur Elisabeth-Selbert-Allee erstrecken wird. In den nächsten Jahren würden weitere Flächen der Stadtwerke und der Kommunalen Betriebe schrittweise an Investoren verkauft.

Die Stadtwerke waren Mitte der neunziger Jahre in die direkte Nachbarschaft gezogen, die Verwaltung sitzt seither in dem markanten Turm an der Weserstraße. Danach haben sich laut Direktor Pusdrowski viele Investoren für das leergeräumte Grundstück interessiert. „Wir standen schon öfter kurz vor der Unterschrift unter einen Kaufvertrag.“ Dass es dazu dann doch nicht kam, habe auch am Fehlen eines schlüssigen Nutzungskonzepts für die Brachflächen beiderseits der Bahnlinie gelegen. „Mit den Leitlinien zur Stadtentwicklung hat Bürgermeister Gebhardt da vor drei Jahren Klarheit reingebracht, indem neues Gewerbe westlich der Bahn und neuer Einzelhandel sowie zusätzliche Wohnquartiere östlich der Gleise angesiedelt werden sollen. Diese konsequente Zuteilung und das energische Vorantreiben der Bebauungspläne haben den Weg jetzt freigemacht“, betonte Pusdrowski.

Der Käufer bringt alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes mit. Die HBB ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen aus Hamburg und seit mehr als 45 Jahren als Bauträger und Betreiber am Markt. Mehr als 35 Einzelhandelsobjekte hat die HBB bisher bundesweit realisiert, diverse weitere befinden sich im Bau oder sind in der Planung. Im benachbarten Hanau eröffnet im September in bester Innenstadtlage das „Forum Hanau“ mit rund 100 Fachgeschäften. HBB und die Stadt Hanau wurden dafür mit dem europäischen Innovationspreis für Innenstadtentwicklung ausgezeichnet. Das Unternehmen bietet die gesamte Palette eines Investors an: von der ersten Konzeption über die Errichtung der Immobilie und die Vermietung bis zum Centermanagement.

Nach Aussage von Geschäftsführer Harald Ortner ist das Rhein-Main-Gebiet seit vielen Jahren ein Investitionsschwerpunkt seiner Gesellschaft. Dabei zeichne sich vor allem die Stadt Langen durch ihre Lage im Einzugsgebiet von Frankfurt und ihre demographischen Daten aus. Die gute Verkehrsanbindung und die steigende Nachfrage nach Wohnflächen unterstreiche die Anziehungskraft.

In einem städtebaulichen Vertrag, der der Kommune Mitbestimmungsrechte garantiert (beispielsweise bei der Gestaltung der Fassaden und der Außenflächen), sind die Rahmenbedingungen für das Vorhaben geregelt. Demnach ist unter anderem ein modernes und kundenfreundliches Einkaufzentrum vorgesehen, das zugleich städtebauliche Akzente setzt. Insgesamt sollen rund ein Dutzend Ladeneinheiten mit einer Verkaufsfläche von mehr als 6.000 Quadratmetern entstehen. Neben einem Lebensmittelmarkt mit einem hohen Anteil an Frischeabteilungen und Serviceleistungen für die Kunden werden weitere Fachmärkte - zum Beispiel aus den Sparten Drogerie, Textilien, Schuhe, Haushaltswaren und Unterhaltungselektronik - sowie Dienstleistungsbetriebe (Reinigung, Schuhmacher, Schlüsseldienst) und Gastronomie das Angebot abrunden. „Mit unserem Objekt wollen wir die Attraktivität des Standortes weiter erhöhen und fehlende Sortimente in die Stadt Langen holen“, sagte Ortner.

Für Bürgermeister Gebhardt „entspricht das genau unseren Intentionen“. Langen brauche zusätzliche Einzelhandelsflächen, um seiner Versorgungsfunktion als Mittelzentrum gerecht zu werden. „Dies ist eine zentrale Aussage in unserem Einzelhandels- und Zentrenkonzept. Wir müssen uns darum kümmern, dass die Langener Bevölkerung ihren Bedarf stärker vor Ort decken kann als das bislang der Fall ist.“ Gegenwärtig werde über alle Sortimente hinweg nur weniger als die Hälfte der Kaufkraft in Langen gebunden. Ein größeres Angebot werde zudem wegen der neuen Wohngebiete und dem damit einhergehenden Bevölkerungswachstum gebraucht. „Es wird Langen guttun, wenn die Einkaufsvielfalt in unserer Stadt zunimmt und die Sortimentsvielfalt verbessert wird“, hob der Verwaltungschef hervor.

Eingefasst werden soll das Einkaufszentrum durch ein Hotel mit mehr als 100 Betten und eine moderne Wohnbebauung mit rund 200 Wohnungen. An der Nordseite des Alpha-Hochhauses ist ein vergleichsweise hohes Gebäude mit sieben bis acht Stockwerken vorgesehen. Die anderen beiden Häuser haben vier bis fünf Geschosse. Häuser und Hotel legen sich wie ein Rahmen um den künftigen Einkaufstempel, dessen Dach begrünt wird und somit von der umliegenden Bebauung aus einen ansprechenden Anblick bietet. Eine innenliegende Passage ermöglicht den Weg vom Bahnhof aus ins angrenzende Wohngebiet. Neben ebenerdigen Parkplätzen will HBB auf einem weiteren, von privater Hand erworbenen Grundstück ein Parkhaus an das Einkaufszentrum andocken, in dem es auch mietbare Plätze für Anwohner gibt. Das bestehende Parkdeck in dem Gebiet bleibt erhalten. Das gesamte Ensemble versprüht Innenstadtcharakter und gibt darüber hinaus dem bislang relativ freistehenden Alpha-Hochhaus einen Sockel. Geprüft wird noch die Möglichkeit, das Beachvolleyballfeld und den Bolzplatz auf eine andere Fläche zu verlegen.

Mit der neuen Bebauung werde ein sichtbares Zeichen für den Aufbruch in der Stadt Langen gesetzt, erklärte Gebhardt. In bester Lage direkt an der Bahn entstehe eine markante Silhouette als Entree zum künftigen Wohngebiet Liebigstraße, die architektonische Qualitätsmaßstäbe setze. Ein Gewinn für die Stadt sei zudem das geplante Hotel. Zwischen Darmstadt, Frankfurt und dem Flughafen gebe es eine hohe Zimmernachfrage. „Und Langen liegt da mittendrin.“ Das Hotel sei obendrein ein Orientierungspunkt und mit seinen etwa sieben Geschossen vom Bahnhof aus gut sichtbar. Die Friedrichstraße bis um die Ecke zum Kaufhaus Braun würde durch das Vorhaben ebenfalls aufgewertet, weil sie einen nördlichen Abschluss und Anker bekomme.

HBB und Stadt werden jetzt einen Bebauungsplan erarbeiten, der im kommenden Jahr den Weg durch die Gremien nehme. Der Investor möchte im Herbst 2016 mit den Bauarbeiten beginnen. Das Einkaufszentrum soll Ende 2017/Anfang 2018 eröffnet werden. Das Investitionsvolumen für den Handelsbereich liegt bei über 20 Millionen Euro, hinzukommen die Ausgaben für das Hotel und die Wohnbebauung.

Das Gelände aus der Perspektive vom Bahnhof aus: Vorne ist ein großer Parkplatz, links das Hotel, rechts ein Parkhaus, das direkt mit dem Einkaufszentrum verbunden ist, und im Hintergrund die geplanten Wohnhäuser.

Bild: HBB

 

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