Die Wärme kommt aus der Lärmschutzwand

Einmalig: Blockheizkraftwerk verschwindet im Erdhügel  

Blockheizkraftwerke (BHKW), die Fernwärme und Strom erzeugen, sind in Langen dank des Engagements der Stadtwerke nichts Neues. Und doch verdient die Anlage, für die das Unternehmen nun den Grundstein an der Nordumgehung gelegt hat, das Prädikat „außergewöhnlich“. Denn das BHKW entsteht bis Mitte nächsten Jahres nicht über, sondern unter der Erde. Genauer: Es verschwindet im Lärmschutzwall. „Das ist nicht nur einmalig in Langen. Das ist einmalig in Deutschland“, sagt Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski.

Der Energieanbieter investiert rund 800.000 Euro in das Kraftpaket für die neuen Wohnungen, die jetzt nördlich der Elisabeth-Selbert- und an der Hans-Kreiling-Allee gebaut werden. Das in der Nähe existierende BHKW am Sportzentrum Nord, das vor fünf Jahren ans Fernwärmenetz ging, hat dafür keine Kapazitäten und ist vollkommen mit der Wärmelieferung für die benachbarten Wohngebiete ausgelastet.

Um auch die künftigen Einwohner im Langener Norden effizient und umweltfreundlich zu versorgen, hatten die Stadtwerke abermals Pläne für ein BHKW geschmiedet. Die dabei gefundene Lösung überzeugt in mehrfacher Hinsicht. Über die moderne Technik hinaus bietet der spezielle Standort zum einen den Vorteil, dass nicht wertvoller Platz für die Wohnbebauung verloren geht. Zum anderen wird von der Anlage bis auf einen Schornstein, den Eingang und ein Lüftungsgitter nichts mehr zu sehen und vor allem wird von ihr praktisch nichts zu hören sein. Denn der sie umgebende Lärmschutzwall, der bereits aus Richtung Westen aufgeschüttet ist, macht seinem Namen alle Ehre. Er hält nicht nur den Krach von der Straße fern. Auch vom Brummen der beiden Erdgasmotoren dürfte die Außenwelt kaum etwas mitbekommen.

Das BHKW in einen Erdhügel zu integrieren, brachte für Bauleiterin und Planerin Sandra Weinz von den Kommunalen Betrieben Langen eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Nach oben ist das Gebäude durch die Höhe des Walls begrenzt. Genau unter der Mitte verläuft ein ein Meter breiter Regenwasserkanal, der bei starken Niederschlägen Wasser in ein offenes Staubecken leitet. Um den begrenzten Raum optimal nutzen zu können, entstehen zwei Ebenen.

Auf ihnen werden im Wesentlichen die zwei Erdgasmotoren und für die kalte Jahreszeit ein Heizkessel untergebracht. Die erzeugte Wärme ist ausreichend, um bis zu 500 Wohnungen zu heizen. Zugleich entsteht eine Strommenge, die für die gleiche Anzahl reicht.  

Die neue Anlage ist das sechste größere BHKW der Stadtwerke. Die Heizzentralen versorgen als Insellösungen verschiedene Stadtteile von Langen, stehen im Neurott, am Hallenbad oder an der Asklepios-Klinik. Erstmals wollen die Stadtwerke nun zwei BHKW miteinander vernetzen: das neue im Lärmschutzwall und das am Sportzentrum Nord, was die Wirtschaftlichkeit und die Versorgungssicherheit erhöht, wie Pusdrowski erklärte.

Insgesamt werden dann bis Ende 2019 etwa 1.000 Wohnungen im Langener Norden Fernwärme erhalten. Nicht zuletzt spricht die deutlich bessere Umweltbilanz dafür, Wärme zentral zu erzeugen und ortsnah zu verteilen. Fernwärme und Einzelheizungen verhalten sich ähnlich zueinander wie Bus und Privat-Pkw. Transportiert ein Bus 50 Personen von A nach B, ist dafür nur ein Bruchteil des Treibstoffs nötig, den die Fahrgäste gebraucht hätten, wenn sich jeder selber in sein Auto gesetzt hätte. Ein weiterer Vorteil ist, dass in einem BHKW neben Wärme gleichzeitig auch Strom entsteht und ins Netz der Stadtwerke eingespeist wird. Die dadurch erzielten Einnahmen verringern den Wärmepreis.

Fernwärmekunden können sich zudem über mehr Platz freuen, denn sie brauchen keinen Heizkessel. Auch ein Kamin ist nicht nötig. Darüber hinaus punktet Fernwärme mit Komfort. Denn wer keine Heizung betreibt, muss sich weder um Wartung noch um Reparaturen kümmern.  

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